top of page

„Brokele te Voot“ – Dorfwanderweg

Papierfabrik

Papierfabrik

An dieser Stelle befand sich nachweislich seit dem Jahre 1410 eine Mühle, die zunächst als Ölmühle („Olichsmullen“) betrieben wurde und seinerzeit den größten Ertrag im Heinsberger Land hatte. Sie war mit einem jährlichen Erbpachtzins von 60 Quart Öl sehr hoch. Ein Quart ist ein Viertel Maß, was heutigen 0,375 Liter entspricht. Öl war damals ein Luxusgut und unverzichtbar für die Beleuchtung im Haushalt, Handwerk und in der Kirche für die Altarlampen.

Im Jahre 1640 wandelte Arnold von Gruithausen diese Mühle in eine Papiermühle um. So entstand die erste Papiermühle am Niederrhein. Papier verdrängte im 14. Jahrhundert das Pergament (aus Tierhaut) und wurde zunächst aus Lumpen hergestellt. Papier war billiger, leichter und einfacher herzustellen und war revolutionär für Bildung, Verwaltung und den Buchdruck.

Die Mühle hatte über die Jahrhunderte verschiedene Pächter. Besondere Bedeutung bekam die Mühle Ende des 18. Jahrhunderts mit dem Erwerb durch Andreas Josef Berens, der die Mühle zu einer Papierfabrik mit teilweise knapp 100 Arbeitern ausbaute und unter anderem feinstes Schreibpapier herstellte, das u. a. an die rheinischen Regierungsstellen und bis nach Berlin geliefert wurde.

Das Papier war von hoher Qualität und erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Die Blütezeit dauerte ca. 100 Jahre.

Seit 1842 war die Wassermühle mit einem Dampfkessel ausgestattet und seit 1865 mit einer Turbine. Nach dem Verkauf durch die Familie Berens im Jahre 1890 erwarb u. a. die Gesellschaft „Fender und Schlüter“ die Fabrik, sodann im Jahre 1919 das Großunternehmen Natron- und Zellstoff AG, Berlin.

Die Weltwirtschaftskrise überlebte die Mühle nicht. Sie wurde zudem im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt. Nach dem Krieg wurde durch die Gebrüder Zillekens ein Kalkaufbereitungswerk betrieben, bis in die 1960er Jahre hinein. Seitdem wurde das Gelände lediglich noch als Reithalle des Reitervereins und Lagerstätte genutzt.

Die Erbengemeinschaft Zillekens/Tischbein ließ das Gelände nach jahrzehntelangem Zerfall ca. im Jahre 2018 versteigern. Die Idee von zwei Brachelenern, das Gelände gewerblich zu nutzen, zerschlug sich, weil sie nicht Meistbietende wurden. Mittlerweile wurde das Gelände weiterverkauft. Vieles weist darauf hin, dass die Gebäude abgebrochen und eine Reithalle errichtet werden könnte.

(Keine zusätzlichen Informationen vorhanden)

bottom of page