

„Brokele te Voot“ – Dorfwanderweg
Offergeld Mühle (oberste Mühle)

Die oberste/obere Mühle, nach dem letzten Betreiber auch „Offergeldmühle“ benannt, wurde erstmals im Jahre 1343 erwähnt. Sie ist damit zusammen mit der untersten Mühle die älteste bekannte Mühle im Ort.
Sie wurde als unterschlächtige Korbmühle betrieben. Unterschlächtig bedeutet, dass das Wasser unter dem Mühlrad hindurchfließt und die Fließgeschwindigkeit nutzt, nicht die Fallhöhe des Baches. Dies ist typisch für flache Landschaften mit wenig Gefälle. Korbmühle bedeutet, dass das Mühlrad aus vielen korbartigen Kammern besteht. Diese „Körbe“ fangen das strömende Wasser besonders effektiv ein, sodass die Mühle auch bei geringer Wasserkraft noch zuverlässig läuft. Die Wasserkraft an dieser Stelle des Baches betrug ca. 46 PS.
Das Gelände umfasste eine Wohnung, Hof, Scheune, Stallung und Gärten. 1822 war sie mit zwei Mahlgängen im Wechselwerk ausgestattet. Ursprünglich war die Mühle eine Kornmühle, wurde jedoch später auch als Frucht- und Ölmühle genutzt. Schon vor 1836 wurde die Mahlmühle um zwei Ölpressen erweitert, denn 1836 wurde sie als „Obere Mühle“ mit zwei Mahlgängen, zwei Ölpressen, einem Schälgang und einem unterschlägigen Wasserrad bezeichnet.
Die Mühle stand ursprünglich im Eigentum des Landesherrn, der sie an einen Erb- oder Zeitpächter verpachtete, der sie wiederum in der Regel an einen Müller weiterverpachtete. Zunächst gab es unterschiedliche Zeitpächter. Die regelmäßige Pachtzeit betrug dabei sechs oder zwölf Jahre.
Aufgrund von Geldknappheit der Rentkammer Heinsberg kam Arnold von Gruithausen (s. Haus Blumenthal) auch in den Genuss, Erbpächter der oberen Mühle zu werden. So konnte die Rentkammer seine finanziellen Ansprüche bedienen. Von Gruithausen war damit im 17. Jahrhundert der größte Mühlenbesitzer im heutigen Stadtgebiet Hückelhoven, da er daneben eine Papiermühle, eine Walk- und Schneidemühle wie auch die untere Mühle „besaß“.
Im 19. Jahrhundert findet sich für diese Mühle die Bezeichnung Kampsmühle und Spickernagelmühle. Eigentümer war auch die Familie Francken (s. Kemper Mühle), die die Mühle im Jahre 1919 an die Firma Offergeld aus Koslar für 65.000 DM verkaufte, die die Mühle bis 1962 betrieb. Das vierstöckige Silo der Mühle steht heute noch.
Die Mühle versorgte nicht nur Großhändler, Bäckereien und Tiermastbetriebe. Vielmehr kaufte auch die „normale“ Familie hier das Mehl, um den eigenen Bedarf an Brot zu decken. Entweder hatte man bereits selbst einen Backofen, oder man ließ beispielsweise in der Bäckerei Hötz gegen Entgelt „abbacken“.
Nach der Stilllegung 1962 wurde das Gelände an eine Familie Krieger aus Brachelen verkauft. Sie befindet sich heute in Privatbesitz der Familie Kempel.



















